{"id":13,"date":"2012-12-14T02:44:09","date_gmt":"2012-12-14T00:44:09","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/?page_id=13"},"modified":"2018-08-22T22:09:41","modified_gmt":"2018-08-22T20:09:41","slug":"stadtplanung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/stadtplanung\/","title":{"rendered":"Stadtplanung"},"content":{"rendered":"<h2>MANIFEST DER AVANTGARDE<\/h2>\n<p>Text von\u00a0<a href=\"http:\/\/www.tastach.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tankred Stachelhaus<\/a><\/p>\n<p>Stolz \u00fcber beide Ohren war man in Essen, nach langem Gezerre mit der preu\u00dfischen Regierung eine K\u00f6nigliche Baugewerkschule errichten zu d\u00fcrfen. Stadtplaner Robert Schmidt setzte das Geb\u00e4ude als geistigen Mittelpunkt an den h\u00f6chsten Punktes eines neuen Viertels, in welchem \u201ebei jedem Schulgang den Sch\u00fclern die moderne k\u00fcnstlerische Entwicklung des Hausbaus lebensgro\u00df vor Augen gef\u00fchrt wird, um sie abzubringen von der \u00fcberlieferten \u00dcberladung der H\u00e4user mit unverstandenen Stilformen\u201c. Ein ganzes Viertel als Lehrst\u00fcck f\u00fcr gutes Bauen: Im Jahr 2010 feierte das Moltkeviertel seinen 100. Geburtstag.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend in der Gartenstadt Margarethenh\u00f6he die \u201eDichtung in Stein und Gr\u00fcn\u201c vorgetragen wurde, geriet das nahezu zeitgleich gebaute Moltkeviertel zum \u201eManifest der Avantgarde\u201c. Die progressivsten Architekten des beginnenden 20. Jahrhunderts bauten im und rund um das Moltkeviertel, darunter Wilhelm Kreis, Otto Bartning, Erich Mendelsohn, Oskar Schwer sowie die neu nach Essen gezogenen Professoren Georg Metzendorf, Alfred Fischer und Edmund K\u00f6rner. Als Reformarchitekten lehnten sie die damals weit verbreitete Protzarchitektur ab, mit denen sich Bauherren wie Architekten gegenseitig \u00fcberbieten wollten. Im Moltkeviertel fand man zur\u00fcck zum guten Geschmack, bekannte sich zur Funktion des Baus, zu klaren architektonischen Aussagen und \u00fcberlegte, mit welchen Details man das Leben der Bewohner erleichtern kann. Konsequent wurden in dem Viertel der Mensch und seine Bed\u00fcrfnisse in den Mittelpunkt gestellt. Man dachte nicht mehr nur an die repr\u00e4sentative \u201egute Stube\u201c, sondern ganzheitlich an alle Lebensbereiche in der kompletten Wohnung, im ganzen Haus. Viele H\u00e4user haben einen so breiten Eingangsflur, dass ein Kinderwagen Platz findet.<\/p>\n<p>Von \u201eKinderwagenreichweite\u201c sprach auch Stadtplaner Robert Schmidt, der fu\u00dfl\u00e4ufig Spielfl\u00e4chen einplante, ein absolutes Novum dieser Zeit. Der sp\u00e4tere Gr\u00fcndungsdirektor des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirks (des heutigen Regionalverbandes Ruhrgebiet) plante das Viertel bis ins kleinste Detail. Es ging darum, angenehme Stra\u00dfenz\u00fcge zu schaffen, in denen sich der Mensch nicht verliert, sondern Orientierung fand. Fast alle Stra\u00dfen, die mehrheitlich nach ber\u00fchmten Architekten wie Gottfried Semper, Josef Maria Olbrich und Karl Friedrich Schinkel benannt wurden, haben einen an der Topografie angelehnten Schwung, so dass der Blick in der N\u00e4he haften bleibt. Die Stra\u00dfen werden so zu besch\u00fctzenden Pl\u00e4tzen. Ein Meisterst\u00fcck ist Schmidt mit der recht langen Moltkestra\u00dfe gelungen. Ausgehend von der Moltkebr\u00fccke verbreitert sich leicht die Stra\u00dfe im Zuge ihres Verlaufs, so dass sich die Perspektive verzerrt: Das Weite erscheint n\u00e4her.<\/p>\n<p>Eine Besonderheit sind auch die Gr\u00fcnfl\u00e4chen. Schon die Vorg\u00e4rten an der Semperstra\u00dfe und am n\u00f6rdlichen Moltkeplatz waren in ihrer Bepflanzung vorgegeben. Sie blieben im Besitz der Stadt, die sich auch um die Pflege k\u00fcmmern wollte. Der Camillo-Sitte Platz im Osten war der Schaugarten mit einer Pflanzenpracht, bei denen den Spazierg\u00e4ngern, die der als Schaustra\u00dfe geplanten Ruhrallee nach oben hin flanierten, die Augen \u00fcbergingen. Auf dem Moltkeplatz wiederum spielte die sportliche Ert\u00fcchtigung eine gro\u00dfe Rolle; es muss f\u00fcr die damalige Zeit eine Provokation gewesen sein, dass hier auf Tennis- und Turnpl\u00e4tzen Leuten vor den gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Villen ins Schwitzen kamen. Zuletzt kam die dreigliedrige Wiebeanlage hinzu, der allererste Binnenpark Deutschlands. Die Gr\u00fcnfl\u00e4chen geh\u00f6ren zum Netz von Gr\u00fcnzonen, mit denen die Innenstadt gezielt durchl\u00fcftet wurde.<\/p>\n<p>Robert Schmidt konnte die Bauherren davon \u00fcberzeugen, die Qualit\u00e4t und Aktualit\u00e4t der Architektur \u00fcber drei Bauphasen aufrecht zu erhalten. Metzendorf, K\u00f6rner und weitere Reformarchitekten pr\u00e4gten mit ihren markanten Geb\u00e4uden die erste Bauphase bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Die Bauten sind gekennzeichnet durch eine abgewandelte Interpretation des h\u00f6chst geometrischen Wiener Jugendstils. Einfl\u00fcsse des Bauhauses hinterlassen in den zwanziger Jahren ihre Spuren. Ziegelexpressionistische Bauten kamen am Camillo-Sitte-Platz oder in der Olbrichstra\u00dfe hinzu. Mit den dreissiger Jahren hielten die Bauten der \u201eNeuen Sachlichkeit\u201c Einzug ins Moltkeviertel. Zierrat verschwand nun vollends, die Kombination von Raumk\u00f6rpern stand im Vordergrund.<\/p>\n<p>Wer heute durch das Moltkeviertel geht, dem muss die Besonderheit des Viertels nicht unbedingt ins Auge springen. Das mag daran liegen, dass viele hier entwickelte architektonische und stadtplanerische L\u00f6sungen in vielen St\u00e4dten aufgegriffen wurden. Das f\u00fcr anspruchsvolle F\u00fchrungskr\u00e4fte aus Industrie und Verwaltung geplante Viertel geh\u00f6rt immer noch zu den bevorzugten und sch\u00f6nsten Wohnquartieren der Stadt.<\/p>\n<p>Bekannt ist das Moltkeviertel vor allem bei der Stadtverwaltung als\u00a0<em><strong>\u201etraditionell selbstbewusstes Viertel\u201c<\/strong><\/em>. Die Bewohner selbst verhinderten so manchen Abriss von bedeutenden H\u00e4usern, ein Engagement, das in der \u00dcbernahme der Patenschaft \u00fcber die Kunstwerke durch den Verein \u201eKunst am Moltkeplatz\u201c fortgef\u00fchrt wurde und in der Gr\u00fcndung des \u201eB\u00fcrgervereins Moltkeviertel\u201c gipfelte.<\/p>\n<p>Siehe auch\u00a0<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Moltkeviertel#Stadtplanung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wikipedia\u00a0<\/a>und\u00a0<a href=\"http:\/\/www.baukunst-nrw.de\/objekte\/Moltkeviertel-Essen-Suedostviertel-und-Essen-Huttrop--1944.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier\u00a0<\/a>(Forum Baukunst NRW der Architektenkammer NRW)<\/p>\n<h4>NAMEN DER STRASSEN UND PL\u00c4TZ<\/h4>\n<p>Die\u00a0<strong>Benennung\u00a0<\/strong>der Stra\u00dfen im Viertel nach gro\u00dfen Baumeistern zeigt die Verehrung der Planer f\u00fcr die Architektur, w\u00e4hrend die Namensgebung nach dem preu\u00dfischen Generalfeldmarschall von Moltke f\u00fcr die gr\u00f6\u00dfte Stra\u00dfe und den gr\u00f6\u00dften Platz des Viertels wohl eher dem Zeitgeist zwischen Jahrhundertwende und Erstem Weltkrieg geschuldet war. F\u00fcr mehr Informationen klicken Sie auf die nachfolgenden Namen.<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Helmuth_Karl_Bernhard_von_Moltke\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Helmuth Karl Bernhard von Moltke<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karl_Friedrich_Schinkel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Karl Friedrich Schinkel<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gottfried_Semper\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gottfried Semper<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Camillo_Sitte\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Camillo Sitte<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Joseph_Maria_Olbrich\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Joseph Maria Olbrich<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alfred_Messel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Alfred Messel\u00a0<\/a>(die Messelstra\u00dfe war in der Zeit 10.06.1940 &#8211; 15.05.1945 als\u00a0<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paul_Ludwig_Troost\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ludwig Troost<\/a>-Stra\u00dfe nach Hitlers Lieblingsarchitekt benannt)<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Andreas_Schl%C3%BCter_%28Architekt%29\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Andreas Schl\u00fcter<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karl_Henrici\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Karl Friedrich Wilhelm Henrici<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paul_Wallot\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Paul Wallot<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Carl_Seidl\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Carl Seidl<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ernst_von_Bandel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ernst von Bandel<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedrich_K%C3%BCch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Friedrich K\u00fcch\u00a0<\/a>?<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karl_Wei%C3%9Fbach\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Karl Robert Wei\u00dfbach<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ludwig_Franzius\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ludwig Franzius\u00a0<\/a>?<\/li>\n<li><strong>Friedrich Wiebe\u00a0<\/strong>(1843 &#8211; 1922; Essener Beigeordneter ab 1899, Leiter des Tiefbauamtes)<\/li>\n<li><strong>Ernst Schnutenhaus\u00a0<\/strong>(1842 &#8211; 1912; fr\u00fcherer Eigent\u00fcmer des Bauernhofes, auf dessen Fl\u00e4che ab 1910 unter anderem die genossenschaftliche\u00a0<em>Siedlung Eigenheim\u00a0<\/em>im wesentlichen mit der Schnutenhaus-, Messel- und Wei\u00dfbachstra\u00dfe entstand)<\/li>\n<li><strong>Robert Schmidt\u00a0<\/strong>(1869 &#8211; 1934; Stadtplaner; ab 1906 Essener Beigeordneter; 1920 &#8211; 1932 erster Verbandsdirektor des\u00a0<em>Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk<\/em>, dem Vorg\u00e4nger des<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Regionalverband_Ruhr\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Regionalverbandes Ruhr<\/em><\/a>).<\/li>\n<\/ul>\n<div id=\"attachment_223\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-223\" class=\"wp-image-223 size-medium\" title=\"Robert Schmidt: Plakette im Robert-Schmidt-Berufskolleg\" src=\"https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Robert_Schmidt_0663_A1-300x298.jpg\" alt=\"Robert Schmidt: Plakette im Robert-Schmidt-Berufskolleg\" width=\"300\" height=\"298\" srcset=\"https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Robert_Schmidt_0663_A1-300x298.jpg 300w, https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Robert_Schmidt_0663_A1-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Robert_Schmidt_0663_A1-301x300.jpg 301w, https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Robert_Schmidt_0663_A1.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-223\" class=\"wp-caption-text\">Robert Schmidt: Plakette im Robert-Schmidt-Berufskolleg<\/p><\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Sammlung-Dimnik-Panorama-Moltkeplatz.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"border: 0px solid; width: 761px; height: 214px;\" src=\"https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Panorama-Moltkeplatz.jpg\" alt=\"Moltkeviertel Allee\" align=\"top\" \/><\/a><\/p>\n<h4><span style=\"font-weight: bold;\">DOSSIER:<\/span>\u00a0<span style=\"font-style: italic;\">Moltkeviertel<\/span><\/h4>\n<p>Ich habe eine Brosch\u00fcre \u00fcber das Moltkeviertel in Essen geschrieben (siehe obigen Link PUBLIKATIONEN). Bei der Vorstellung schwang ich eine Rede, die es hier noch einmal zum Nachlesen gibt. Es werden in diesem Dossier nach und nach noch weitere aktuelle wie historische Bilder sowie andere Artikel \u00fcber das Moltkekviertel hinzukommen.<\/p>\n<p><a class=\"weiss\" href=\"http:\/\/www.tastach.de\/moltkeviertel.html#Rede\">MANIFEST DER AVANTGARDE: <span style=\"font-weight: bold;\">DAS ESSENER MOLTKEVIERTEL<\/span><\/a><\/p>\n<hr style=\"width: 100%; height: 1px;\" \/>\n<h4><a name=\"Rede\"><\/a><span class=\"normal\">Sehr geehrter Herr B\u00fcrgermeister, <\/span><span class=\"normal\">sehr geehrter Herr Hansen, <\/span><span class=\"normal\">sehr geehrte Damen und Herren,<\/span><\/h4>\n<p><span class=\"normal\"><a href=\"https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Sammlung-Dimnik-MV_Baugewerkschule.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"bildlinks alignnone\" style=\"border: 0px solid; width: 300px; height: 220px; float: left;\" title=\"K\u00f6nigliche Baugewerkschule, Architekt Professor Edmund K\u00f6rner\" src=\"https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Sammlung-Dimnik-MV_Baugewerkschule.jpg\" alt=\"Baugewerkschule\" width=\"300\" height=\"220\" \/><\/a>Fr\u00fcher stand \u00fcber der Eingangspforte dieses Geb\u00e4udes nicht \u201eRobert Schmidt Berufskolleg\u201c, sondern\u00a0<\/span><span class=\"normal\">\u201e<\/span><span class=\"normal\">K\u00f6nigliche Baugewerkschule<\/span><span class=\"normal\">\u201c<\/span><span class=\"normal\">. Die Festschrift zur Einweihung dieser Schule war mit einem\u00a0Spruch von dem Architekten Professor Edmund K\u00f6rner betitelt, der dieses Geb\u00e4ude entworfen hat. Da stand:\u00a0 \u201eDer Baukunst zur Ehr\u2019, der Jugend zur Lehr\u2019\u201c,\u00a0 ein Satz, der ein Leitbild f\u00fcr das ganze Moltkeviertel ist.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"normal\">Die am 16. November 1911 er\u00f6ffnete Baugewerkschule war das geistige Zentrum des innenstadtnahen Neubaugebietes\u00a0<\/span><span class=\"normal\">\u201e<\/span><span class=\"normal\">Br\u00fcnglinghausho<\/span><span class=\"normal\">f<\/span><span class=\"normal\">\u201c<\/span><span class=\"normal\">, wie die vorwiegend landwirtschaftlich genutzte Fl\u00e4che vormals hie\u00df. Sie wurde an der h\u00f6chsten Stelle des ersten Bauabschnitts platziert.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"normal\">F\u00fcr die Sch\u00fcler dieser Baugewerkschule, die \u00fcbrigens zeitgleich mit der Maschinenbauschule unten am Viehofer Platz er\u00f6ffnet wurde, sollte das Moltkeviertel ein Lehrst\u00fcck sein. Der Bebauungsplan von 1908 gab die Zielsetzung vor: Ich zitiere jetzt aus einem zeitgen\u00f6ssischen Artikel aus der \u201eEssener Zeitung\u201d: \u201eDie Baugewerkschule soll an der angegebenen Stelle inmitten eines nach \u00e4sthetischen Gesichtspunkten durchgef\u00fchrten Stadtteils errichtet werden. Sie steht an geeigneter Stelle, weil gerade hier bei jedem Schulgang wiederholt den Sch\u00fclern die moderne k\u00fcnstlerische Entwicklung des Hausbaus lebensgro\u00df vor Augen gef\u00fchrt wird, um sie zum Segen f\u00fcr ihren sp\u00e4teren Wirkungskreis abzubringen von der \u00fcberlieferten \u00dcberladung der H\u00e4user mit unverstandenen Stilformen.\u201d\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span class=\"normal\">Im und um das Moltkeviertel herum bauten die besten und progressivsten Architekten Deutschlands, darunter allein zehn Architektur-Professoren. Doch es w\u00e4re ein Missverst\u00e4ndnis zu glauben, dass diese Herren Professoren auch an der Baugewerkschule lehrten. Lediglich Georg Metzendorf war im Kuratorium der Schule vertreten, im Kuratorium wohlgemerkt, nicht im Kollegium. Dort waren K\u00f6nigliche Oberlehrer, die so sch\u00f6ne Namen trugen wie Wilhelm Gutekunst, Alfred Hochwohlgebohren oder Friedrich Machmar. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"normal\">Die Baugewerkschule war keine Universit\u00e4t, sondern irgendwo zwischen Berufsschule und Fachhochschule angesiedelt. Maurer und Zimmerleute konnten sich hier f\u00fcr die mittlere bautechnische Laufbahn in der Verwaltung oder in der Privatwirtschaft empfehlen. Als Abschlusspr\u00fcfung bekamen sie zum Beispiel die Aufgabe vorgesetzt, ein \u201eFreistehendes Wohnhaus f\u00fcr einen Oberf\u00f6rster\u201d zu entwerfen. Der Schwerpunkt lag aber ganz klar auf die technischen L\u00f6sungen und nicht auf Architektur.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"normal\">Das Moltkeviertel entstand nicht aus dem Nichts. Nat\u00fcrlich hat es auch eine Vorgeschichte, die einerseits dem Denken zu Anfang des 20. Jahrhunderts entsprach oder sich daraus entwickelte, andererseits dagegen opportunierte. Und es ist eingebettet in eine Stadtplanung in Essen, die von einem Geist erf\u00fcllt war, der einen heute neidisch werden l\u00e4sst, dass all dies, in ganz Essen wohlgemerkt &#8211; m\u00f6glich war.<\/span><\/p>\n<h4 class=\"erstezeile\" style=\"font-weight: bold;\"><span class=\"normal\">Grenzenlose Welt<\/span><\/h4>\n<p><span class=\"normal\">Es herrschte zu der damaligen Zeit eine gro\u00dfe Technikgl\u00e4ubigkeit, wie man sie sich heute kaum noch vorstellen mag. Man hatte immer festeren Stahl, man hatte Beton, man entwickelte Autos, erklomm mit Flugzeugen die L\u00fcfte, \u00fcberwand flott mit schnellen Eisenbahnen oder Dampfschiffen gro\u00dfe Distanzen, schaute sich den gewaltigen Pariser Eiffelturm an &#8211; all das sei nur kurz umrissen. Die Welt war grenzenlos in alle Richtungen, die Wissenschaft, so dachte man, k\u00f6nnte alles berechnend l\u00f6sen. Essens B\u00fcrgermeister Holle sagte zur Er\u00f6ffnung der Maschinenbauschule und Baugewerkschule: \u201eUnser Zeitalter stellt ein Triumphzug der Technik dar. Die technischen Wissenschaften haben durch die Entdeckung und Beherrschung der Naturgesetze staunenswerte Erfolge erzielt, und jeder Tag bringt neue Fortschritte.\u00a0 Was die Wissenschaft ergr\u00fcndet, muss in Forum und Materie umgesetzt werden. [&#8230;].\u201d Der Sohn unseres Industriebezirkes soll fortan auf dem historischen Boden, wo Alfred Krupp den Weltruhm deutscher Industrie begr\u00fcndete, das beste R\u00fcstzeug f\u00fcr sein weiteres Fortkommen durch die Maschinenbauschule finden.\u201d<\/span><\/p>\n<h4 class=\"erstezeile\" style=\"font-weight: bold;\"><span class=\"normal\">Geborgenheit statt Machtdemonstration<\/span><\/h4>\n<p><span class=\"normal\">Diese Technikgl\u00e4ubigkeit sollte nur f\u00fcnf Monate nach der zitierten Rede mit dem Untergang der hochtechnisierten, als unsinkbar geltenden Titanic seinen ersten D\u00e4mpfer erhalten. Aber damals glaubte man, selbst soziale Probleme seien nur ein technisches Problem. St\u00e4dte wurden nach pragmatischen, hygienischen Ma\u00dfst\u00e4ben geplant, mit schnurgeraden Stra\u00dfen und gesichtslosen Wohnh\u00e4usern. Erst Camillo Sitte, nach ihm ist bezeichnenderweise oben an der Moltkestra\u00dfe der Platz benannt, erinnerte daran, dass der Mensch auch andere Bed\u00fcrfnisse hat als Essen, Trinken, Verdauung und schnell zur Arbeit und zur\u00fcck kommen. Ihm ging es um k\u00fcnstlerische Stadtplanung, die den Menschen als ganzheitliches Wesen in den Mittelpunkt stellte. Sein 1889 erschienenes Buch \u201eDer St\u00e4dtebau nach seinen k\u00fcnstlerischen Grunds\u00e4tzen\u201e hatte eine gro\u00dfe Wirkung auf die reformorientierte Architekten und Stadtplaner. Sitte regte unter anderem an, verk\u00fcrzt gesagt, sich wieder an gewachsenen mittelalterlichen St\u00e4dten mit ihrer unregelm\u00e4\u00dfigen Platzstruktur zu orientieren, was das Empfinden der Menschen unbewusst besonders anspreche. Dort w\u00fcrden sie Geborgenheit finden, schlie\u00dflich seien die\u00a0 mittelalterlichen St\u00e4dte ja mit dem Menschen in einem viel direkterem Austausch gewachsen. Die Augen sollten gef\u00fchrt werden, und zwar nicht in die endlose Ferne, wie es in vielen machtdemonstrierenden Repr\u00e4sentationsstra\u00dfen der damaligen Zeit der Fall war, die einen als ganz klein, als ein Niemand, erniedrigten. Nein, die Augen sollten Halt finden.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"normal\">Sie werden ahnen, dass dies nat\u00fcrlich im Moltkeviertel ber\u00fccksichtigt wurde. Stadtplaner Robert Schmidt plante die Stra\u00dfenz\u00fcge mit einem an der Topografie des Gel\u00e4ndes angelehnten Schwung, so dass der Blick in der N\u00e4he haften bleibt. Der Stra\u00dfenraum wird so zu einem besch\u00fctzenden Platz. <\/span><\/p>\n<h4 class=\"fett\"><span class=\"normal\">Protzige Angeberei<\/span><\/h4>\n<p><span class=\"normal\">B\u00fcrgermeister Holle hatte bei der Er\u00f6ffnungsrede, aus der ich bereits zitiert habe, auch gesagt: \u201eVon nicht geringerer Bedeutung ist f\u00fcr uns die Baugewerkschule, der es obliegt, f\u00fcr die unvergleichlichen Bauaufgaben unseres Bezirks Techniker heranzubilden. Mit Freuden sehen wir im letzten Jahrzehnt die Morgenr\u00f6te einer herrlichen Baukunst wieder aufsteigen, wo eine wilde Formlosigkeit gerade den Industriebezirk vollends zu verunstalten drohte. Es bedarf gr\u00f6\u00dfter Eile diese Veredelung des Baugeschmacks zum Gemeingut zu machen und zu verbreiten, um unsere bauliche Entwicklung jetzt in besseren Bahnen zu halten. Die Beispiele in guten, besten und schlechtesten Leistungen m\u00f6gen es der Baugewerkschule erleichtern, inmitten lebhafter Baut\u00e4tigkeit edles empfinden zu pflegen und Unsch\u00f6nem zu wehren.\u201d\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span class=\"normal\">Ich muss gestehen, dass ich fast der Versuchung erlegen w\u00e4re, mir hier ins Manuskript zu schreiben, dass Holles Forderungen nach Beispielen in schlechtesten Leistungen erst in den vergangenen\u00a0 20 Jahren erf\u00fcllt werden konnten. Ich hab\u2019s aber gelassen, weil\u2019s nicht stimmt. Schon damals gab\u2019s auch vereinzelnd schlechte Bauten im Moltkeviertel. Und es sind in den vergangenen Jahren auch wunderbare Neubauten entstanden.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"normal\">Aber was ist das f\u00fcr eine \u201ewilde Formlosigkeit\u201d, von der die Rede ist? Was hat es mit der \u201e\u00fcberlieferten \u00dcberladung von H\u00e4usern mit unverstandenen Stilformen\u201e auf sich, die hier immer wieder von den Zeitgenossen angeprangert wird?<\/span><\/p>\n<p><span class=\"normal\">Nun, wie erw\u00e4hnt, war die Welt grenzenlos. Man konnte in die entferntesten Kontinente reisen. Doch das reichte noch nicht. Auch eine Zeitreise durch die Kunstgeschichte war drin. Und so vereinte das in der Gr\u00fcnderzeit rasant angewachsene B\u00fcrgertum auf den Fassaden ihrer H\u00e4user alle Souvenirs ihrer Kopfreisen. Es war die Zeit des Historismus, der Neugotik, der Neo-Renaissance, des Neo-Barock, des Neo-Klassizismus usw. &#8211; gerne auch alles auf einmal. Manche setzten mit ihrem Stilwirrwarr Ma\u00dfst\u00e4be. Die Villa H\u00fcgel von Krupp, das war nat\u00fcrlich ein Vorbild, dem auch andere, weniger wohlhabende B\u00fcrger nacheiferten. Das B\u00fcrgerlich-Angemessene wich einer protzigen Angeberei. Es wurde sehr viel Wert auf die Repr\u00e4sentation gelegt, mit Fassade und guter Stube. Vorne hui, hinten pfui. Die R\u00fcckseite der H\u00e4user wurde nicht gezeigt, genauso wenig wie die Privatgem\u00e4cher. Bei Monumentalbauten, etwa Museen, war ebenfalls die sp\u00e4tere Nutzung zweitrangig &#8211; im Vordergrund stand die \u00dcberh\u00f6hung der Architektur, egal ob in solchen R\u00e4umen Exponate ausgestellt werden oder gar wirken k\u00f6nnen. <\/span><\/p>\n<h4 class=\"fett\"><span class=\"normal\">Bekenntnis zum ma\u00dfvollen Bauen<\/span><\/h4>\n<p><span class=\"normal\">Den Reformarchitekten grauste diese Art H\u00e4user zu bauen. Sie bekannten sich zur Funktion des Geb\u00e4udes, zu klaren architektonischen Aussagen, zu Details, die das Leben erleichtern &#8211; und sie fanden wieder zu einem ma\u00dfvollen Bauen zur\u00fcck, in der Zierrat bewusst gesetzt wurde, etwa um das Auge zu lenken. Die Putten an der Koppers-Villa gegen\u00fcber sind ein gutes Beispiel daf\u00fcr. Der Mensch guckt sich halt gerne solche kleinen Engelchen an. Dann werden solche Motive eben verwendet, was soll\u2019s, wenn es zur angenehmen Wirkung beitr\u00e4gt. Die Reformarchitekten wollten nicht mit Traditionen brechen, sondern eine behutsame Reform einleiten. Anstatt sklavisch einem Stil zu folgen oder verschiedene Stile anzuh\u00e4ufen, sahen sie die Stile als Fundus zur L\u00f6sung architektonischer Probleme an. Die beste L\u00f6sung f\u00fcr einen Bau galt es zu finden. Es ging um eine Architektur mit Ma\u00df. <\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"erstezeile\"><span class=\"normal\">Meine Damen und Herren, <\/span><\/p>\n<p class=\"erstezeile\"><span class=\"normal\">ich mache an dieser Stelle mal einen Schnitt, um einzelne Aspekte herauszugreifen.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"normal\">Ich habe mich in dem Heft auf die H\u00e4user konzentriert, die es noch gibt. Hinten\u00fcber gefallen sind aus konzeptionellen Gr\u00fcnden wunderbare Geb\u00e4ude, die leider zerst\u00f6rt sind. Der Schwerpunkt des Heftes sollte auf dem heutigen Moltkeviertel liegen. Aber im Rahmen dieser Einf\u00fchrung habe ich ja Gelegenheit, kurz an sie zu erinnern. <\/span><\/p>\n<h4 class=\"fett\"><span class=\"normal\">Villen K\u00f6hn und Stern<\/span><\/h4>\n<p><span class=\"normal\">An die Villa von Willy K\u00f6hn zum Beispiel, die neben dem Atelierhaus von K\u00f6rner am Ende der Moltkestra\u00dfe stand, ebenfalls ein ziegelexpressionistischer Bau, und ebenfalls von K\u00f6rner gezeichnet. Willy K\u00f6hn war Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, w\u00fcrde man heute sagen, von der Eisenhandlung Max Stern \u2013 ein schwaches Indiz daf\u00fcr, dass es sich bei einem weiterem Bau, der im zweiten Weltkrieg verloren gegangenen \u201eStern Villa\u201e in der Robert Schmidt-Stra\u00dfe 2, die ebenfalls von K\u00f6rner in den 1920er Jahren gebaut wurde, um die Villa von Max Stern selbst handelt. Ein Max Stern stand jedoch nicht in der Wallotstra\u00dfe bzw. Robert-Schmidt-Stra\u00dfe, wie dieser Abschnitt ja einmal hie\u00df, im Adressbuch der Stadt unter dieser Adresse. Der Enkel von Robert Schmidt, Herr Prof. Imhoff, erw\u00e4hnte nur, dass der Besitzer \u201eJude Stern<\/span><span class=\"normal\">\u201c<\/span><span class=\"normal\"> genannt wurde. Das Haus hatte den Grundriss eines Sterns, und war, wie man heute sagt, ein echter Hingucker: expressionistisch, mutig, stark.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><a href=\"https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Sammlung-Heyer-MV_Moltkeplatz-25.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"bildlinks\" style=\"border: 0px solid; width: 300px; height: 295px; float: left;\" title=\"Wohnhaus von Robert Schmidt, zerst\u00f6rt.\" src=\"https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Sammlung-Heyer-MV_Moltkeplatz-25.jpg\" alt=\"Moltkeplatz 25\" \/><\/a><span class=\"normal\">Villa Pallerberg<\/span><\/h4>\n<p><span class=\"normal\">Aber es gab auch H\u00e4user, die man als recht normale gro\u00df- und gutb\u00fcrgerliche Villen bezeichnen durfte. Am Moltkeplatz 25 befand sich etwa dieses Haus. Die Familie Pallerberg wohnte dort. Das Haus musste vermutlich weichen, als die gro\u00dfe Wohnanlage gebaut wurde.<\/span><\/p>\n<h4 class=\"fett\"><span class=\"normal\"><a class=\"bildlinks\" href=\"https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Sammlung-Imhoff-MV_Wohnhaus-Schmidt.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"bildlinks\" style=\"border: 0px solid; width: 300px; height: 217px; float: left;\" src=\"https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Sammlung-Imhoff-MV_Wohnhaus-Schmidt.jpg\" alt=\"Wohnhaus Robert Schmidt\" \/><\/a><span class=\"fett erstezeile\"> Wohnhaus von Robert Schmidt<\/span><\/span><\/h4>\n<p class=\"erstezeile weiss_gross\"><span class=\"normal\">Interessant ist auch das Wohnhaus von Robert Schmidt selbst, das zu einem der ersten H\u00e4user an dem Teilbereich der Robert-Schmidt-Stra\u00dfe geh\u00f6rte. Das Haus ist im Krieg zerst\u00f6rt worden. Die private Fotoserie ist vermutlich an einem Tag in den 1920er-Jahren entstanden, wenn man den fortgeschrittenen Wuchs der Pflanzen als Ma\u00dfstab nimmt. Wer der Architekt des Hauses ist, ist bislang unbekannt. Im Wohnzimmer hing ein Portr\u00e4t von Ernst von Bandel, dem Gro\u00dfvater von Schmidts Frau Lilli. Er war Erbauer des Hermanndenkmals. Ausfl\u00fcge zu dem Denkmal standen in der Familie Schmidt immer ganz oben bei der Freizeitgestaltung.\u00a0<a class=\"weiss\"> &#8211;<\/a><\/span><\/p>\n<h4><span class=\"normal\"><a href=\"https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Sammlung-Heyer-MV_portten_gross.png\"><img decoding=\"async\" class=\"bildlinks\" style=\"border: 0px solid; width: 300px; height: 417px; float: left;\" title=\"Wohnhaus an der Schinkelstra\u00dfe 32, zerst\u00f6rt. Architekt Paul Porrten\" src=\"https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Sammlung-Heyer-MV_portten_gross.png\" alt=\"Paul Portten\" \/><\/a><span class=\"erstezeile\">Wohngeb\u00e4ude von Paul Porrten<\/span><\/span><\/h4>\n<p><span class=\"normal\">Ein anderes Haus, was ich gerne vorstellen m\u00f6chte, wurde vermutlich am\u00a0 5.3.1943 durch Bomben zerst\u00f6rt. Architekt war Paul Portten. Sein bekanntestes Werk in Essen ist der Grugaturm. Dieses Haus an der Schinkelstra\u00dfe 32 stammt von 1926. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"normal\">Ich finde es traumhaft, vor allem das Zusammenspiel der ganz einfachen Bauformen Dreieck, Quadrat und Halbrund &#8212; und wie Architektur und Innenarchitektur ganzheitlich zusammenspielen.\u00a0 Heute gibt es\u00a0noch einen Bau von Portten an der Semperstra\u00dfe 31, gebaut 1925, und an der Schinkelstra\u00dfe 22.\u00a0<\/span><a class=\"weiss\" href=\"http:\/\/www.tastach.de\/moltkeviertel_Fotostrecke_Paul_Portten.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> &#8211;&gt;ZUR FOTOSTRECKE WOHNHAUS SCHINKELSTRASSE 32<\/a><\/p>\n<h4 class=\"bildlinks\"><span class=\"normal\"><span style=\"font-weight: bold;\"><a href=\"https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Sammlung-Dimnik-MV_Moltkeplatz-1-Privatklinik.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"bildlinks\" style=\"border: 0px solid; width: 300px; height: 178px; float: left;\" title=\"Ecke Ruhralle\/Moltkeplatz mit privater Frauenklinik\" src=\"https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Sammlung-Dimnik-MV_Moltkeplatz-1-Privatklinik.jpg\" alt=\"Private Frauenklinik im Essener Moltkeviertel\" \/><\/a><\/span>Private Frauenklinik<\/span><\/h4>\n<p><span class=\"normal\">Der Krieg hat im Moltkeviertel weitere Zerst\u00f6rungen hinterlassen. Die private Frauenklinik an der Ecke Ruhrallee, Moltkeplatz, wo heute heute das Matthias-Ludwig-Haus steht, war fast v\u00f6llig zerst\u00f6rt. Die Kellerr\u00e4ume waren noch begehbar. Und merkw\u00fcrdigerweise funktionierte dort noch der Wasseranschluss. Das ganze Viertel hat von dort noch Wasser geholt. \u00dcbrigens: Wer das Hochhaus heute f\u00fcr h\u00e4sslich h\u00e4lt: Die Frauenklinik war auch kein gro\u00dfer architektonischer Wurf, die Dachkonstruktion war missraten und gerade am n\u00f6rdlichen Entre zum Moltkeviertel alles andere als ein Lehrst\u00fcck f\u00fcr gutes Bauen.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"normal\">Manches wurde aber auch wieder aufgebaut. Die Alt-Lutherische Kirche am Moltkeplatz, die heutige SELK, war nahezu vollst\u00e4ndig eine Ruine; davon stand nur noch der Turm. Sie war nach dem Zweiten Weltkrieg die erste Wiederaufgebaute Kirche, wobei das Gemeindehaus in ver\u00e4nderter Form wieder errichtet wurde. \u00dcber die SELK und ihre Geschichte ist gerade gestern ein Buch erschienen. Darin wird auch das Moltkeviertel erl\u00e4utert. Der Autor dieses Kapitals ist Dr. Ernst Kurz, der auch die Manuskripterstellungen meines Heftes begleitet hat.<\/span><\/p>\n<p><br class=\"normal\" \/><span class=\"normal\">Meine Damen und Herren, <\/span><span class=\"normal\">Ich m\u00f6chte den Vortrag nicht beenden, um auch eine anderes wichtiges Merkmal des Moltkeviertels in den Mittelpunkt zu r\u00fccken: Die Kunst.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"normal\">Am 22.6.2006 verhinderte mit einer Menschenkette eine Gruppe Anwohner den Abtransport des Hannover Tors in die Gruga. Woanders h\u00e4tten Anwohner vielleicht nicht verhindert, dass das Kunstwerk wegtransportiert wird. Sie h\u00e4tten wom\u00f6glich sogar noch mitangepackt. Ich erinnere mich da um die Querelen rund um die Spitzer-Plastik in der Innenstadt. Aber hier, da besetzen Anwohner ein Kunstwerk, um den Abtransport zu verhindern. Der Kranwagen zog unterrichteter Dinge wieder ab. Mit einer Beharrlichkeit, die ihresgleichen sucht, freundlich im Ton aber bestimmt in der Sache, nahm der Verein Kunst am Moltkeplatz den Kampf um den Erhalt des Skulpturenparks auf. Am Ende schaffte es der Verein, dass alle \u2013 die Eigent\u00fcmer, die K\u00fcnstler, die Stadtverwaltung und der Verein eine f\u00fcr alle akzeptable L\u00f6sung fanden und den Erhalt des Parks zu sichern. Der Verein Kunst am Moltkeplatz hat die Patenschaft \u00fcber die Kunstwerke \u00fcbernommen. Und mit derselben freundlichen Beharrlichkeit k\u00fcmmert sich der Verein seitdem um die Skulpturen \u2013 ein Job, den andere wom\u00f6glich schon l\u00e4ngst hingeworfen h\u00e4tten. Den meisten \u00c4rger bekommen als direkte Anwohner des Skulpturen-Parks Dr. Volker Wagenitz und seine Frau Lisa Lambrecht-Wagenitz ab. An die 40 Mal haben sie allein die rote Wand des Kunstwerks \u201eDenkmal\u201e von Gloria Friedmann neu wegen Schmierereien und Graffiti streichen m\u00fcssen. [\u2026] Ihr Antrieb d\u00fcrfte die Begeisterung f\u00fcr die Kunst sein und die Erfahrung, dass sie nicht allein sind. Mit ihrem Verein Kunst am Moltkeplatz haben sie wieder etwas zur weiteren Musterg\u00fcltigkeit des Moltkeviertels beigetragen. Ihre Patenschaft gilt in Essen als Blaupause f\u00fcr b\u00fcrgerschaftliches Engagement.\u00a0 <\/span><\/p>\n<blockquote><p><span class=\"normal\">Bei der Stadtverwaltung gilt das Moltkeviertel schon lange \u2013 das ist jetzt ein Zitat \u2013 als \u201etraditionell selbstbewusstes Viertel<\/span><span class=\"normal\">\u201c<\/span><span class=\"normal\">. <\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span class=\"normal\">Den Grundstein f\u00fcr diese Auszeichnung legte die Aktionsgemeinschaft zur Erhaltung des Moltkeviertels, der es gelang, eine Reihe von Bauten vor dem Abriss zu retten und deren Engagement in der Erhaltungssatzung m\u00fcndete. Verhindert wurde zum Beispiel, dass gleich zwei H\u00e4user f\u00fcr die Filiale der Deutschen Bundesbank abgerissen wurden. \u201eNur<\/span><span class=\"normal\">\u201c<\/span><span class=\"normal\"> eins musste dran glauben. Man kann das beklagen und den architektonischen Wert des Neubaus diskutieren, man sollte aber auch bedenken, dass das Moltkeviertel im Gegensatz zu den Gartenst\u00e4dten wie der Margarethenh\u00f6he keine reine Wohnsiedlung war und ist, sondern Wohnen und Arbeiten miteinander verbindet.\u00a0 4.000 Einwohner standen zuletzt 3.000 Arbeitspl\u00e4tze im und in direkter N\u00e4he zum Moltkeplatz gegen\u00fcber. Wie die Situation nach dem Wegzug von E.On Ruhrgas aussieht, wei\u00df ich nicht. Wichtig ist: Schon bei der Planung hat man erkannt, dass Wohnen und Arbeiten kein Widerspruch sind.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"normal\">Das ist hier kein Viertel, wo man eine museale K\u00e4seglocke dr\u00fcber setzen kann, das w\u00fcrde dem Charakter des Viertels v\u00f6llig widersprechen. Es ist ein lebendiges, der Modernit\u00e4t verpflichtetes Viertel.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"erstezeile\"><span class=\"normal\">Meine Damen und Herren, <\/span><\/p>\n<p><span class=\"normal\">Mit dem Moltkeviertel wurde weltweit einzigartige RaumKunst geschaffen &#8211; wie auch der Untertitel des heute vorgestellten Buchs aus der Reihe \u201eRheinische Kunstst\u00e4tten\u201c hei\u00dft. Stadtplanung und Architektur verbinden sich hier auf einmalige Weise zum modernen, musterg\u00fcltigen St\u00e4dtebau. All das l\u00e4sst sich bis heute noch gut ablesen. \u00dcber drei Bauphasen hinweg ist es Stadtplaner Robert Schmidt gelungen, die Qualit\u00e4t und Aktualit\u00e4t der Architektur hochzuhalten, von der Reformarchitektur bis zum Ende des Ersten Weltkrieges, \u00fcber die expressionistischen und am Bauhaus orientierten Bauten in der Zeit der Weimarer Republik bis hin zu den der Neuen Sachlichkeit zuzuordnenden bauten der 30er-Jahre. Die Konsequenz, mit der dieses Viertel gebaut wurde, ist weltweit einmalig. Ich hoffe, dass das Heft nicht nur f\u00fcr die Sch\u00f6nheit dieses Viertels begeistert, sondern auch m\u00f6gliche Bauherren daran erinnert, welche Verpflichtung sich daraus ergibt, in diesem Viertel zu bauen! Erwartet werden weitere lehrreiche Beispiele f\u00fcr Spitzenarchitektur mit Ma\u00df.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"normal\">Und zuletzt hoffe ich, dass das dieses Manifest der Avantgarde namens Moltkeviertel immer wieder zu Rate gezogen wird bei anderen Stadtplanungsprojekten. Viele, auch in Essen, stehen weit hinter den im Moltkeviertel seit 100 Jahren entwickelten st\u00e4dtebaulichen L\u00f6sungen zur\u00fcck.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"normal\">Ich werde es bei diesen kurzen Ausf\u00fchrungen zur Einf\u00fchrung belassen. Unter jeden Stein, den man im Moltkeviertel anhebt, verbirgt sich eine neue Geschichte, ein neues Thema f\u00fcr einen Vortrag oder eine Doktorarbeit &#8211; und nicht nur baugeschichtlich. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"normal\">Erlauben Sie mir noch zum Schluss etwas zum Aufbau des Buches zu erl\u00e4utern.\u00a0Architektur und Kunst bilden die Klammer. Das Heft ist in drei Teile strukturiert. Im ersten Teil wird die Baugeschichte des Moltkeviertels erl\u00e4utert. Im zweiten Teil gibt es einen gef\u00fchrten Rundgang entlang von 13 wichtigen Punkten durch das Viertel. Dieser f\u00fchrt, wie die Karte vorne zeigt, durch das Kerngebiet des Moltkeviertels. nahe Ziele wie die Auferstehungskirche, die nicht unmittelbar zum Moltkeviertel geh\u00f6ren, ihm aber verbunden sind, sind als zus\u00e4tzliche Exkursionsm\u00f6glichkeiten erl\u00e4utert. Der Rundweg f\u00fchrt von der Moltkebr\u00fccke, dem vermutlich ersten Bauwerk des Viertels, fertig gestellt 1910 \u2013 weswegen wir 100 Jahre Moltkeviertel feiern, \u00fcber Ziele wie Siedlung Eigenheim und Camillo-Sitte-Platz bis zum Moltkeplatz. Der Dritte Teil erl\u00e4utert die Aktivit\u00e4ten des Vereins Kunst am Moltkeplatz und die einzelnen Kunstwerke auf der Wiese.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"normal\">Ich hoffe, Sie haben ebenso viel Spa\u00df bei der Lekt\u00fcre wie ich beim Schreiben.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>MANIFEST DER AVANTGARDE Text von\u00a0Tankred Stachelhaus Stolz \u00fcber beide Ohren war man in Essen, nach langem Gezerre mit der preu\u00dfischen Regierung eine K\u00f6nigliche Baugewerkschule errichten zu d\u00fcrfen. Stadtplaner Robert Schmidt setzte das Geb\u00e4ude als geistigen Mittelpunkt an den h\u00f6chsten Punktes eines neuen Viertels, in welchem \u201ebei jedem Schulgang den Sch\u00fclern die moderne k\u00fcnstlerische Entwicklung des [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":4542,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-13","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/13","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/13\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4963,"href":"https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/13\/revisions\/4963"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4542"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.buergerverein-moltkeviertel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}